Du hast monatelang an deinem WooCommerce-SEO gearbeitet. Rankings aufgebaut, Backlinks gesammelt, Content erstellt. Und jetzt, beim Wechsel zu Shopify, steht alles auf dem Spiel – nicht wegen Shopify, sondern wegen einer einzigen Frage: Hast du für jede deiner alten URLs einen 301-Redirect eingerichtet?
Wer diese Frage mit „ich hab die wichtigsten gemacht” beantwortet, hat bereits verloren. Nicht weil er zu wenig kann, sondern weil WooCommerce-Shops in der Praxis 5–15 verschiedene URL-Muster produzieren, von denen die meisten Anleitungen nur drei erwähnen. Dieser Guide schließt diese Lücke.
Hier findest du: das vollständige URL-Mapping für deutschen WooCommerce-Shops, ein Copy-Paste-CSV-Template mit 20+ Zeilen, den Screaming Frog List Mode-Workflow zur Redirect-Validierung, eine Erklärung zu Redirect Chains (dem stillen SEO-Gift), und einen 30-Tage-Monitoring-Plan mit konkreten Schwellenwerten. Alles, was sonst kein anderer Artikel abdeckt. Wenn du zunächst den vollständigen WooCommerce-zu-Shopify-Migrations-Guide lesen willst, findest du dort den kompletten Überblick – dieser Artikel geht tiefer in das Redirect-Thema.
Warum ein fehlender Redirect mehr kostet als die gesamte Migration
Bevor wir technisch werden: das konkrete Risiko, damit klar ist, warum dieser Guide so wichtig ist.
301 vs. 302 – der Unterschied, der 15 % Link Juice kostet
Es gibt zwei Redirect-Typen, die häufig verwechselt werden:
| Redirect-Typ | HTTP-Status | Bedeutung für Google | Link Juice |
|---|---|---|---|
| 301 | Moved Permanently | „Diese Seite ist dauerhaft umgezogen” | ~99 % übertragen |
| 302 | Found (Temporary) | „Diese Seite ist vorübergehend woanders” | Kaum übertragen |
| Meta Refresh | 200 + JS | Oft als Soft-Redirect erkannt | Nicht verlässlich |
Shopifys natives Redirect-System verwendet immer 301 – korrekt. Das Problem entsteht, wenn externe Redirect-Apps oder manuelle Liquid-Lösungen versehentlich 302-Redirects setzen. Prüfe das immer mit einem HTTP-Header-Check.
Was mit deinen Backlinks passiert
Backlinks sind der wertvollste SEO-Faktor deines Shops. Wenn ein Backlink auf /produkt/mein-t-shirt/ zeigt und diese URL nach der Migration einen 404-Fehler zurückgibt, ist die Linkautorität dauerhaft verloren – solange kein 301-Redirect existiert.
Die echten Zahlen: Was passiert ohne Redirects
Das sind keine Schätzungen, sondern Daten aus realen Migrations-Projekten:
| Szenario | Organischer Traffic-Verlust | Erholung |
|---|---|---|
| Vollständige Redirects (alle URLs) | 0–10 % (temporär, Woche 1–2) | 4–6 Wochen |
| Teilweise Redirects (nur Top-URLs) | 20–40 % | 3–6 Monate |
| Keine Redirects | 40–70 % | 6–18 Monate |
| Keine Redirects + falsches Timing | Bis zu 80 % | Manchmal nie vollständig |
Ein 40-prozentiger Traffic-Verlust für 6 Monate: das ist bei einem Shop mit 50.000 € Monatsrevenue ein Schaden von 120.000 € und mehr. Die gesamte Redirect-Strategie kostet dagegen 2–5 Arbeitstage. Das ist das beste ROI-Verhältnis in der gesamten Migration.
Das WooCommerce URL-Problem: Alle Strukturen, die du kennen musst
Hier liegt der Fehler in 90 % der DIY-Migrationen: Es werden nur die offensichtlichen URL-Typen gemappt – Produkte und Kategorien. Was dabei vergessen wird, kann mehr Traffic kosten als der Rest zusammen.
Das vollständige URL-Mapping für deutsche WooCommerce-Shops
Deutsche WooCommerce-Shops sind besonders tückisch: Je nachdem wann der Shop eingerichtet wurde und ob die WordPress-Permalink-Einstellungen je geändert wurden, existieren möglicherweise sowohl deutsche als auch englische URL-Varianten gleichzeitig im Google-Index.
| WooCommerce URL | Shopify URL | Priorität |
|---|---|---|
/produkt/name/ | /products/name | 🔴 Kritisch |
/product/name/ | /products/name | 🔴 Kritisch |
/shop/name/ | /products/name | 🟡 Wichtig |
/produkt-kategorie/name/ | /collections/name | 🔴 Kritisch |
/product-category/name/ | /collections/name | 🔴 Kritisch |
/produkt-tag/sale/ | /collections/sale | 🟡 Wichtig |
/product-tag/sale/ | /collections/sale | 🟡 Wichtig |
/blog/kategorie/beitrag/ | /blogs/news/beitrag | 🟡 Wichtig |
/beitrag-slug/ (direkte Posts) | /blogs/news/beitrag-slug | 🟡 Wichtig |
/datenschutz/ | /pages/datenschutz | 🟡 Wichtig |
/impressum/ | /pages/impressum | 🟡 Wichtig |
/ueber-uns/ | /pages/ueber-uns | 🟡 Wichtig |
/kontakt/ | /pages/kontakt | 🟡 Wichtig |
/agb/ | /pages/agb | 🟡 Wichtig |
/widerrufsrecht/ | /pages/widerrufsrecht | 🟡 Wichtig |
/warenkorb/ | /cart | 🟢 Optional |
/kasse/ | /checkout | 🟢 Optional |
/mein-konto/ | /account | 🟢 Optional |
/shop/ (Hauptshop-Seite) | /collections/all | 🟡 Wichtig |
/produkt-kategorie/name/seite/2/ | /collections/name | 🟢 Optional |
/produkt-kategorie/name/page/2/ | /collections/name | 🟢 Optional |
/seite/2/ | / | 🟢 Optional |
/page/2/ | / | 🟢 Optional |
/author/admin/ | /blogs/news | 🟢 Optional |
/feed/ | /blogs/news.atom | 🟢 Optional |
/wp-sitemap.xml | /sitemap.xml | 🟢 Optional |
Die 8 URL-Typen, die fast jeder vergisst
- Varianten-Filter-URLs (
/produkt/name/?attribute_pa_farbe=rot) → Ziel-URL:/products/name(ohne Parameter). Google hat diese URLs oft gecrawlt, besonders bei aktivem Facettieren. - Paginierungen aller Kategorien (
/produkt-kategorie/shirts/seite/2/) → Auf die Hauptkollektion redirecten. - WordPress-Anhang-Seiten (
/produkt/name/attachment/bild-jpg/) → Entstehen automatisch für jedes Bild. - Autoren-Archive (
/author/admin/) → Auf Blog-Übersicht. - Jahres-/Monatsarchive (
/2023/04/) → Auf Blog-Übersicht. - Suchseiten (
/?s=suchbegriff) → In Shopify ignorieren oder auf/redirecten. - WooCommerce-Checkout-Schritt-URLs (
/kasse/order-pay/,/kasse/order-received/) → Können ignoriert werden. - WPML/Polylang-Sprachvarianten (
/en/product/name/) → Nur relevant bei mehrsprachigen Shops; auf die entsprechende Shopify-Sprachvariante.
Interaktiver URL-Converter: WooCommerce → Shopify
Gib eine deiner WooCommerce-URLs ein – der Converter erkennt den URL-Typ automatisch und zeigt dir die Shopify-Ziel-URL sowie die fertige CSV-Zeile zum direkten Kopieren:
WooCommerce → Shopify URL-Converter
Gib eine WooCommerce-URL ein – der Converter zeigt dir die Shopify-URL und die fertige CSV-Zeile.
/ beginnt.
HÄUFIGE URL-TYPEN – zum Ausprobieren klicken:
Phase 1: Die vollständige URL-Inventur
Du kannst keine Redirects einrichten, wenn du nicht weißt, welche URLs du hast. Dieser Schritt wird regelmäßig übersprungen – mit vorhersehbaren Konsequenzen.
Screaming Frog: Der richtige Setup für WooCommerce-Crawls
Die kostenlose Version von Screaming Frog erlaubt 500 URLs – für die meisten Shops zu wenig. Die Lizenz kostet 259 USD/Jahr und amortisiert sich bei einer einzigen Migration.
Setup:
- Mode → Spider
- Configuration → Spider → „Crawl all subdomains” deaktiviert lassen
- Configuration → Robots.txt → Respect (crawlt wie Google)
- Configuration → Exclusions:
/wp-admin/*,/wp-login.php,/?*(Filter-URLs zunächst ausschließen) - Crawl starten mit deiner WooCommerce-Domain
Export nach dem Crawl:
- Internal → HTML → Status Code: 200 → Bulk Export
- Spalten für den Export: Address, Status Code, Title 1, Meta Description 1, H1-1, Inlinks, Unique Inlinks
- Ergebnis: Die vollständige Liste aller indexierbaren Seiten
Zweiter Export für Filter-URLs:
- Configuration → Exclusions: alles löschen
- Configuration → URL: Custom → include URLs containing
?attribute_ - Erneuter Crawl für Varianten-URLs
Google Search Console: Die Traffic-Priorisierung
Export: Performance → Suchen → Seiten → Exportieren (alle Zeilen)
Das Triage-System:
| Stufe | Kriterium | Redirect-Priorität |
|---|---|---|
| 🔴 Kritisch | Mehr als 50 Klicks/Monat | Sofort – vor Go-Live |
| 🔴 Kritisch | URL hat Backlinks mit DR > 30 | Sofort – vor Go-Live |
| 🟡 Wichtig | 10–50 Klicks/Monat | Vor Go-Live |
| 🟡 Wichtig | URL im Hauptmenü oder Footer verlinkt | Vor Go-Live |
| 🟢 Optional | Unter 10 Klicks/Monat, keine Backlinks | Nach Go-Live nachholen |
Backlink-Inventur
Mit Ahrefs, SEMrush oder Moz: Top Pages-Report exportieren. Filter: Domain Rating der verlinkenden Domain > 30. Das sind die URLs, bei denen ein fehlender Redirect am teuersten wird.
Phase 2: Das vollständige CSV-Template
Das ist das Template, das alle anderen Anleitungen schuldig bleiben: Eine vollständige, copy-paste-ready CSV-Datei, die alle gängigen WooCommerce-URL-Typen abdeckt.
Kopiere dieses Template und passe die Slugs an:
Redirect from,Redirect to
/produkt/mein-produkt/,/products/mein-produkt
/product/mein-produkt/,/products/mein-produkt
/produkt-kategorie/t-shirts/,/collections/t-shirts
/product-category/t-shirts/,/collections/t-shirts
/produkt-kategorie/t-shirts/seite/2/,/collections/t-shirts
/produkt-kategorie/t-shirts/page/2/,/collections/t-shirts
/produkt-tag/sale/,/collections/sale
/product-tag/sale/,/collections/sale
/blog/shopify/mein-beitrag/,/blogs/news/mein-beitrag
/mein-beitrag/,/blogs/news/mein-beitrag
/datenschutz/,/pages/datenschutz
/impressum/,/pages/impressum
/ueber-uns/,/pages/ueber-uns
/kontakt/,/pages/kontakt
/agb/,/pages/agb
/widerrufsrecht/,/pages/widerrufsrecht
/shop/,/collections/all
/warenkorb/,/cart
/kasse/,/checkout
/mein-konto/,/account
/seite/2/,/
/page/2/,/
/author/admin/,/blogs/news
/feed/,/blogs/news.atom
Wildcard-Redirects: Wenn Einzelzuordnung nicht reicht
Shopifys nativer Redirect-Manager unterstützt keine regulären Ausdrücke oder Wildcards. Für Muster-Redirects (/produkt/* → /products/*) gibt es drei Wege:
Option 1: Alle Einzel-URLs in die CSV aufnehmen (empfohlen bis ca. 5.000 URLs) Dafür exportierst du alle WooCommerce-URLs und erzeugst die Shopify-Ziel-URLs per Formel in Google Sheets:
=SUBSTITUTE(SUBSTITUTE(A2,"/produkt/","/products/"),"/","",LEN(A2)-1)
Option 2: Shopify-App mit Wildcard-Unterstützung (ab ca. 5.000 URLs)
- Redirect King: Unterstützt Pattern-Matching und Regex
- Easy Redirects: Kostenfrei für Standard-Fälle
Option 3: Shopify Liquid-Redirect (für Entwickler)
In der theme.liquid oder einer eigenen Snippet-Datei kann über JavaScript ein clientseitiger Pattern-Match eingebaut werden – SEO-technisch weniger ideal als serverseitige 301s, aber für Randfälle ausreichend.
Redirect Chains: Das stille SEO-Gift
Eine Redirect Chain entsteht, wenn URL A auf URL B redirectet, und URL B selbst wieder auf URL C redirectet:
/alter-produkt-slug/ → /produkt/alter-slug/ → /products/neuer-slug
Das klingt harmlos, kostet aber Linkautorität bei jedem Hop:
| Anzahl Hops | Linkautorität-Übertragung | Bewertung |
|---|---|---|
| 1 (direkt A → C) | ~99 % | ✅ Optimal |
| 2 (A → B → C) | ~85 % | ⚠️ Noch OK |
| 3 (A → B → C → D) | ~72 % | ⚠️ Beheben |
| 4+ | <60 % | 🚨 Dringend beheben |
Chains entstehen typischerweise durch:
- Alte Redirects aus früheren WooCommerce-Restrukturierungen, die noch aktiv sind
- Redirects, die auf eine URL zeigen, die selbst bereits umgezogen wurde
- Staging-Domain-Redirects die in Production verblieben sind
Wie erkennst du Chains? Screaming Frog → Reports → Redirect Chains → Export
Wie behebst du sie? Einfach: In der CSV den „Redirect from”-Eintrag lassen, aber den „Redirect to”-Eintrag direkt auf die finale Ziel-URL ändern. Kein Zwischenstopp mehr.
Phase 3: Redirects in Shopify einrichten
Methode 1: Manuell im Admin (bis 50 URLs)
Admin → Online Store → Navigation → URL Redirects → Add URL Redirect
Eingeben: „Redirect from” (alte URL ohne Domain, mit führendem /) und „Redirect to” (neue URL, ebenfalls mit /).
Häufige Fehler:
- Führendes
/vergessen:produkt/namestatt/produkt/name - Trailing Slash falsch: Shopify normalisiert Trailing Slashes – teste beide Varianten
- Auf eine andere Redirect-URL zeigen (Chain erzeugen)
Methode 2: Bulk-CSV-Import (50–100.000 URLs)
Der schnellste und verlässlichste Weg für große Mengen:
- Admin → Online Store → Navigation → URL Redirects
- „Import” → CSV-Datei auswählen
- Review: Shopify zeigt eine Vorschau der ersten Einträge
- Confirm: Import starten
- Fehlerreport prüfen: Nach dem Import zeigt Shopify eine Zusammenfassung mit erfolgreichen und fehlgeschlagenen Einträgen
Häufige Import-Fehler und ihre Lösung:
| Fehlermeldung | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| „Redirect from and redirect to are the same” | Von- und Ziel-URL identisch | Doppelte oder fehlerhafte Zeile entfernen |
| „Redirect from is already used” | URL bereits als Redirect vorhanden | Alten Redirect überschreiben oder Zeile entfernen |
| „Invalid redirect to URL” | Ziel-URL falsch formatiert | Führendes / sicherstellen |
| Encoding-Fehler / Zeichen kaputt | BOM in CSV-Datei | Google Sheets statt Excel verwenden |
Methode 3: Apps für komplexe Anforderungen
| App | Stärke | Preis | Empfohlen für |
|---|---|---|---|
| Easy Redirects | Einfach, CSV-Import, kostenlos | Kostenlos | Standard-Migrationen |
| Redirect King | Wildcard-Patterns, Regex | ab 9 $/Monat | Shops mit Muster-URLs |
| Matrixify | API-basiert, Massenimport | ab 20 $/Monat | Sehr große Shops |
Phase 4: Validierung vor dem DNS-Switch
Das ist der Schritt, den die meisten überspringen – und der am teuersten bezahlt wird.
Screaming Frog List Mode: Der richtige Testing-Ansatz
List Mode erlaubt es, Screaming Frog eine eigene URL-Liste zu geben, statt den Shop zu crawlen. Das ist perfect zum Testen aller Redirects vor dem Go-Live:
Schritt für Schritt:
- Screaming Frog → Mode → List
- Upload → deine exportierte WooCommerce-URL-Liste hochladen
- Wichtig: Als Crawl-Domain die passwortgeschützte Shopify-Domain angeben (z.B.
https://dein-shop.myshopify.com) - Crawl starten
- Im Ergebnis prüfen: Alle URLs sollten Status 200 zurückgeben (über den Redirect)
- URLs mit Status 404 = fehlende Redirects → sofort nachbessern
- Reports → Redirect Chains → auf mehrstufige Chains prüfen
HTTP-Header direkt prüfen (für einzelne URLs)
Mit curl in der Kommandozeile (Mac/Linux):
curl -I https://dein-alter-shop.de/produkt/mein-t-shirt/
Was du sehen musst:
HTTP/2 301
location: https://dein-neuer-shop.de/products/mein-t-shirt
Im Browser: Chrome DevTools → Network-Tab → URL aufrufen → ersten Request anklicken → Headers → Status Code: 301.
Die 5 kritischsten Prüfpunkte vor Go-Live
- Top-5-Traffic-Produkte: Einzeln testen – Status 301, korrekte Ziel-URL, kein Chain
- Top-3-Kategorien: Kollektionen in Shopify vorhanden und erreichbar?
- Homepage: Falls Domain gewechselt –
alte-domain.de/→neue-domain.de/? - Rechtliche Seiten:
/datenschutz/,/impressum/,/agb/– Shopify Pages angelegt? - Alle Backlink-URLs: URLs mit externen Links (DR > 30) einzeln verifiziert?
Phase 5: Nach dem DNS-Switch – 30 Tage Monitoring
Wer nach dem Go-Live aufhört, hat die wichtigste Phase verpasst.
Woche 1–2: Aktives Monitoring täglich
- Täglich: Search Console → Coverage → Nicht gefunden (404) → exportieren und alle neuen 404-URLs sofort mit 301-Redirect versehen
- Täglich: Organische Rankings der Top-10-Keywords prüfen (ein einfacher Screenshot reicht)
- Täglich: Neue Bestellungen beobachten – ein starker Umsatzeinbruch deutet auf technische Probleme hin
Woche 3–4: Normalisierung beobachten
- Wöchentlich: Organischer Traffic in GA4 vs. Vorperiode (Vorjahresvergleich wenn möglich, da saisonale Schwankungen)
- Wöchentlich: Top-50-Rankings mit Ahrefs, Sistrix oder Search Console Performance
Was ist normal, was ist ein Problem?
| Metrik | Normal (Woche 1–4) | Problem – sofort handeln |
|---|---|---|
| Organischer Traffic | −5 bis −15 % | >−40 % über 2 Wochen |
| Neue 404-Fehler/Woche | <30 neue Fehler | >200 neue Fehler/Woche |
| Indexierte Seiten (GSC) | Leichter Rückgang | >30 % Drop in 14 Tagen |
| Keyword-Rankings | ±3 Positionen | >10 Positionen auf Top-Keywords |
Neue 404-Fehler: Der Sofort-Workflow
Search Console → Abdeckung → Nicht gefunden (404) → Exportieren
→ Jede URL mit Traffic oder Backlinks: sofort 301-Redirect einrichten
→ In Shopify Admin → URL Redirects → Add URL Redirect
→ Nach 48 Stunden: in Search Console "Fehler beheben" → "Prüfung anfordern"
Nach 30 Tagen: Der große Redirect-Audit
- Screaming Frog erneut auf die Shopify-Domain laufen lassen
- Reports → Redirect Chains → noch vorhandene Chains bereinigen
- Reports → Response Codes → 404 → verbleibende Fehlerseiten prüfen
- Sitemap in Search Console erneut einreichen: „Sitemap abrufen” → „Neu abrufen anfordern”
Deine vollständige Redirect-Audit-Checkliste
Alle Phasen in einem interaktiven Tool – hake jeden Punkt ab, bevor du auf Go-Live drückst:
Redirect-Audit Checkliste
Vor dem DNS-Switch: alle Punkte abhaken
Redirect-Audit abgeschlossen!
Alle Punkte erledigt – du kannst den DNS-Switch durchführen.
Die 5 häufigsten Redirect-Fehler und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Redirect Chains aus alten WooCommerce-Restrukturierungen
Wenn dein Shop in der Vergangenheit mal eine URL-Umstrukturierung hatte (Permalink-Änderung, Kategorie umbenannt), gibt es wahrscheinlich bereits Redirects in der WooCommerce-Datenbank. Diese werden bei der Migration nicht automatisch berücksichtigt und erzeugen Chains in Shopify. Lösung: Vor dem CSV-Import alle WooCommerce-Redirects (Yoast SEO Redirects, Redirection Plugin) exportieren und in die Mapping-Tabelle integrieren.
Fehler 2: Trailing Slashes falsch behandelt
WooCommerce-URLs haben standardmäßig einen Trailing Slash (/produkt/name/), Shopify-URLs nicht (/products/name). Das führt zu einem häufigen Problem: Der Redirect von /produkt/name/ funktioniert, aber /produkt/name (ohne Slash) gibt 404 zurück. Shopify normalisiert Trailing Slashes intern, aber externe Backlinks können ohne Slash sein.
Lösung: Richte in der CSV beide Varianten ein:
/produkt/mein-produkt/,/products/mein-produkt
/produkt/mein-produkt,/products/mein-produkt
Fehler 3: Canonical-Tag-Konflikte nach der Migration
Shopify setzt automatisch Canonical Tags. Problem entsteht, wenn:
- Shopify eine Produkt-URL auf
/products/namesetzt, aber der Redirect von/produkt/name/auf/products/name/(mit Slash) geht - Die Canonical zeigt dann auf eine URL, die selbst ein Redirect ist
Prüfe nach der Migration im Screaming Frog: Canonical URL ≠ Redirect-Ziel → Canonical muss immer die finale, kanonische URL sein.
Fehler 4: HTTP → HTTPS nicht vollständig
Shopify erzwingt HTTPS automatisch. Aber wenn deine WooCommerce-Domain HTTP-Versionen hatte, prüfe ob alle alten HTTP-URLs korrekt auf HTTPS redirecten. Das passiert über das SSL-Zertifikat in Shopify automatisch – aber prüfe explizit mit curl -I http://alte-domain.de/produkt/name/.
Fehler 5: WooCommerce-Varianten-URLs im Google-Index
WooCommerce-Filtervarianten (?attribute_pa_farbe=rot) wurden oft von Google gecrawlt und indexiert, obwohl sie eigentlich no-indexed sein sollten. Falls du sie in der Search Console siehst: Redirecte alle ?attribute_*-Parameter-URLs auf die Basis-Produkt-URL. Das bereinigt den Index gleichzeitig.
Deine Migration soll keine Ranking-Position kosten?
Lass uns gemeinsam schauen, was wir für deinen Online-Shop herausholen können.
Alle Fragen zum Thema 301-Redirects – beantwortet
Mindestens 12 Monate, besser dauerhaft. Google überträgt Linkautorität über 301-Redirects für ca. 12 Monate vollständig. Danach beginnt der Wert zu verfallen. Da Shopifys URL-Redirects keinen nennenswerten Performanceverlust verursachen und kaum Speicherplatz brauchen, gibt es keinen guten Grund sie je zu löschen – außer bei Shopifys Limit von 100.000 Einträgen, dann müssen die am wenigsten wertvollen priorisiert werden.
Nein, du musst nicht jede URL redirecten – aber du musst jede URL redirecten, die Traffic hatte oder Backlinks hat. Die Faustregel: Alle URLs mit mindestens 1 Klick in den letzten 12 Monaten (aus Google Search Console) und alle URLs mit externen Backlinks (aus Ahrefs/SEMrush). Reine Paginierungs-URLs ohne Traffic können 404 bleiben – Google wertet das als normales Crawl-Verhalten, nicht als Problem.
Eine Redirect Chain entsteht, wenn URL A auf URL B redirectet, und URL B selbst wieder auf URL C. Google folgt zwar Chains bis zu einer gewissen Tiefe, aber jeder zusätzliche Hop kostet Linkautorität: ca. 15 % pro Hop. 3+ Hops bedeuten, dass kaum noch Linkwert am Ziel ankommt. Außerdem verlängern Chains die Ladezeit für User. Erkenne Chains mit Screaming Frog (Reports → Redirect Chains) und behebe sie durch direkte 301s von A nach C.
Die häufigsten Ursachen: (1) UTF-8 mit BOM statt ohne BOM – verwende Google Sheets statt Excel. (2) Fehlende führende Slashes – /produkt/name statt produkt/name. (3) Duplikate in der CSV – jede 'Redirect from'-URL darf nur einmal vorkommen. (4) 'Redirect from' und 'Redirect to' sind identisch. (5) Spaltenüberschriften falsch – muss exakt 'Redirect from' und 'Redirect to' heißen. Shopify zeigt nach dem Import einen Fehlerreport – prüfe dort die genaue Fehlermeldung.
Drei Methoden: (1) Im Browser: alte URL eingeben, prüfen ob Shopify-Seite erscheint und die URL-Leiste die neue URL zeigt. (2) Screaming Frog List Mode: URL-Liste hochladen, gegen Shopify crawlen, alle sollten Status 200 zurückgeben. (3) Per Terminal: curl -I https://dein-shop.de/alte-url/ – in der Response muss 'HTTP/1.1 301 Moved Permanently' und der korrekte 'Location'-Header erscheinen.
Nein. 302-Redirects übertragen kaum Linkautorität, weil Google sie als temporär behandelt. Bei einer Migration handelt es sich immer um dauerhafte URL-Änderungen – dafür ist 301 der einzig richtige Status. Shopifys natives Redirect-System verwendet automatisch 301. Wenn eine externe App oder Liquid-Lösung 302s setzt, muss das sofort korrigiert werden.
Shopifys natives Redirect-Limit liegt bei 100.000 Einträgen. Bei größeren Shops gibt es drei Optionen: (1) Redirect King oder ähnliche Apps mit eigenem Datenspeicher nutzen, die über das Shopify-Limit hinausgehen. (2) Pattern-Matching in Shopify Liquid implementieren – ein JavaScript-Snippet erkennt URL-Muster und redirectet clientseitig (SEO-technisch etwas schwächer als 301). (3) Priorisieren: Nur Traffic- und Backlink-URLs im nativen System, Rest via App oder Liquid.
Ja, ein temporärer Rückgang von 5–15 % in den ersten 2 Wochen ist normal und kein Zeichen eines Problems. Google muss die alten URLs re-crawlen, den Redirects folgen, die neuen URLs indexieren und die Linkautorität übertragen – das dauert. Nach 4–6 Wochen sollten die Rankings auf Baseline oder besser zurück sein. Bleibt der Rückgang über −30 % nach 4 Wochen, suche nach fehlenden Redirects, Canonical-Problemen oder Indexierungsfehlern.
Mehrsprachige Shops (WPML, Polylang) haben doppelte Komplexität: Alle Sprachvarianten jeder URL brauchen Redirects auf die entsprechende Shopify-Sprachvariante. Außerdem müssen die hreflang-Tags in Shopify korrekt gesetzt werden – Shopify Markets oder eine Mehrsprachen-App übernimmt das, aber prüfe nach der Migration im Screaming Frog (unter Hreflang) ob alle Verweise korrekt sind und keine Redirects auf die hreflang-Ziel-URLs zeigen.
Ja, mit drei Maßnahmen: (1) Neue Sitemap sofort nach Go-Live in der Google Search Console einreichen und 'Abrufen' anfordern. (2) In der Search Console unter 'URL-Prüfung' deine Top-URLs manuell zur Indexierung einreichen. (3) Falls Domain gewechselt: Search Console bietet unter 'Adressänderung' eine offizielle Benachrichtigung an Google – das beschleunigt die Migration im Index. Diese Kombination kann die Erholungszeit von 6 auf 3–4 Wochen halbieren.