3. Dezember 2020

Was ist Google Analytics 4 (GA4)?

Werner Strauch
Werner Strauch Geschäftsführer & E-Commerce Stratege
Google Analytics 4 Dashboard mit GA4-Berichten und Event-Tracking-Übersicht

Google Analytics 4 ist das kostenlose Web-Analyse-Tool von Google. Es zeigt, wer deine Website besucht, woher diese Besucher kommen, was sie dort tun, und ob daraus Conversions entstehen. Seit dem 1. Juli 2023 ist GA4 der Nachfolger von Universal Analytics, das Google abgeschaltet hat. Wer heute Google Analytics einrichtet oder nutzt, arbeitet automatisch mit GA4.

Dieser Artikel erklärt den Unterschied zu Universal Analytics, wie die Einrichtung funktioniert, was DSGVO-konformes Tracking 2026 konkret bedeutet, und welche Berichte im Alltag tatsächlich zählen.

GA4 vs. Universal Analytics: Was hat sich verändert?

Universal Analytics (UA) war auf Sitzungen und Seitenaufrufe ausgelegt. GA4 denkt in Ereignissen, sogenannten Events. Jede Interaktion auf deiner Website ist ein Event, ob Seitenaufruf, Scrolltiefe, Button-Klick oder Kauf.

MerkmalUniversal AnalyticsGoogle Analytics 4
DatenmodellSitzungs-basiertEvent-basiert
Geräte-übergreifendEingeschränktJa, User-ID möglich
App-TrackingSeparate PropertyIntegriert
Predictive MetricsNeinJa (Kaufwahrscheinlichkeit)
BigQuery ExportNur GA 360Kostenlos
DatenschutzCookie-abhängigConsent Mode v2 + Modellierung
StatusAbgeschaltet Juli 2023Aktiv, wird weiterentwickelt

Das Wichtigste: Daten aus Universal Analytics lassen sich nicht in GA4 übertragen. Wer heute noch auf UA-Exporte angewiesen ist, muss diese extern sichern, da Google die Daten endgültig gelöscht hat.

Was misst Google Analytics 4?

GA4 erfasst automatisch eine Reihe von Ereignissen, ohne dass du Code schreiben musst:

  • page_view - Seitenaufruf
  • first_visit - erster Besuch der Website
  • scroll - Scrolltiefe von 90 % erreicht
  • click - Klick auf einen ausgehenden Link
  • form_submit - Formular abgesendet

Für E-Commerce kommen weitere Events hinzu:

EventWann ausgelöst
view_itemProduktseite aufgerufen
add_to_cartProdukt in Warenkorb gelegt
begin_checkoutCheckout gestartet
purchaseKauf abgeschlossen
view_cartWarenkorb aufgerufen
remove_from_cartProdukt entfernt

Neben diesen Standard-Events kannst du eigene benutzerdefinierte Events definieren, zum Beispiel den Klick auf einen bestimmten CTA oder das Erreichen einer Danke-Seite. Für die meisten Shopify-Shops reichen die Standard-Events des GA4-Integrations-Setups aus. Wie du das konkret einrichtest, zeigt der Guide zum Google Analytics mit Shopify verbinden.

Ist GA4 kostenlos?

Ja, GA4 ist in der Standardversion kostenlos. Google bietet außerdem eine kostenpflichtige Premium-Version namens GA4 360 für große Unternehmen an. Die Unterschiede sind für die meisten E-Commerce-Shops nicht relevant.

FunktionGA4 kostenlosGA4 360
DatenverfügbarkeitBis 14 MonateBis 50 Monate
Daten-FrischeBis zu 24 StundenBis zu 4 Stunden
Events pro Property500Unbegrenzt
BigQuery ExportUnbegrenztUnbegrenzt
Sampling bei BerichtenAb ca. 500.000 SessionsKein Sampling
PreisKostenlosAb ca. 150.000 €/Jahr

Für Shops mit unter 500.000 monatlichen Sitzungen ist die kostenlose Version vollständig ausreichend. Der BigQuery-Export ist seit 2023 auch in der kostenlosen Version verfügbar, was GA4 für datengetriebene Teams attraktiver macht als UA es war.

GA4 einrichten: Schritt für Schritt

Die Einrichtung von GA4 besteht aus drei Schritten: Property anlegen, Datenstrom konfigurieren, Tracking-Code einbinden.

Gehe in Google Analytics (analytics.google.com) auf “Verwaltung” und dann auf “Property erstellen”. Vergib einen Namen, wähle Zeitzone Deutschland und Euro als Währung. GA4 erstellt automatisch eine Property-ID im Format G-XXXXXXXXXX.

Im nächsten Schritt wählst du “Web” als Datenstrom-Typ und gibst die URL deiner Website ein. Aktiviere “Erweiterte Messung”, damit GA4 Scrolltiefe, externe Klicks und Formular-Interaktionen automatisch erfasst, ohne eigenen Code.

Für den Tracking-Code gibt es zwei Wege. Direkte Integration bedeutet, den GA4-Code-Snippet in den <head> deiner Website einzufügen. Google Tag Manager (GTM) ist die Alternative: GA4 läuft als Tag im GTM-Container, ohne dass du am Website-Code arbeitest. GTM ist die bessere Wahl, weil du später weitere Tags, zum Beispiel für Google Ads Conversion-Tracking, ohne Entwickler hinzufügen kannst.

Nach der Einrichtung öffnest du den Echtzeit-Bericht in GA4 und rufst deine Website in einem anderen Tab auf. Wenn GA4 aktiv ist, siehst du dich selbst als aktiven Nutzer. Das ist der schnellste Funktionstest.

GA4 Setup-Checkliste: Ist dein Shopify-Tracking vollständig eingerichtet?

Hake ab, was du bereits eingerichtet hast. Die Checkliste zeigt dir, wie vollständig dein Google Analytics 4 Setup ist.

Fortschritt / erledigt

Einschätzung

Gut aufgestellt. Dein GA4 Setup ist vollständig. Jetzt geht es darum, die Daten regelmäßig zu nutzen: Schau wöchentlich in die Akquisitions- und Conversion-Berichte und leite konkrete Optimierungen ab.

Solide Basis, aber Lücken vorhanden. Die wichtigsten Punkte fehlen noch: Consent Mode v2 und die Verknüpfung mit Google Ads sind besonders kritisch, wenn du Kampagnen schaltest. Ohne diese Punkte verlierst du Conversion-Daten.

Setup noch unvollständig. Ohne ein sauberes GA4-Tracking triffst du Entscheidungen auf Basis falscher oder fehlender Daten. Die Einrichtung lohnt sich, auch wenn sie etwas Zeit kostet.

Google Analytics 4 ist datenschutzrechtlich nur dann DSGVO-konform einsetzbar, wenn ein Consent Management Platform (CMP) mit Consent Mode v2 eingebunden ist. Das ist seit März 2024 Voraussetzung für personalisierte Google-Werbung und de facto Standard für alle GA4-Installationen in der EU.

Consent Mode v2 funktioniert so: Wenn ein Nutzer das Tracking ablehnt, sendet GA4 nur anonymisierte Ping-Signale, sogenannte cookieless pings. Google nutzt diese Signale zusammen mit statistischen Modellen, um Conversion-Daten hochzurechnen. Das bedeutet, du verlierst nicht alle Daten bei Nutzern, die ablehnen, siehst aber auch keine individuellen Daten.

Die zwei wichtigsten Consent-Parameter sind analytics_storage (erlaubt GA4-Tracking) und ad_storage (erlaubt Werbe-Cookies). Beide müssen korrekt an den Cookie-Consent-Banner gekoppelt sein.

Mehr zur rechtssicheren Cookie-Banner-Implementierung in Deutschland erklärt der Artikel zum Cookie-Banner 2025.

Die IP-Anonymisierung ist in GA4 standardmäßig aktiv und lässt sich nicht abschalten. Das war in Universal Analytics noch eine optionale Einstellung.

Einen eigenen GA4-Datenschutzartikel für Shopify-Shops findest du hier: Google Analytics für Shopify: Datenschutz.

Die wichtigsten GA4-Berichte

GA4 hat eine andere Navigation als Universal Analytics. Die Berichte sind unter “Berichte” gesammelt, der Explorations-Bereich bietet tiefere Analysen.

  • Echtzeit - aktive Nutzer, Seiten, Städte, Kanäle in Echtzeit. Nützlich zum Testen neuer Tracking-Setups und als Live-Indikator bei Kampagnenstarts.
  • Akquisition - welche Kanäle bringen Nutzer. GA4 unterscheidet Nutzer-Akquisition (erster Besuch) und Sitzungs-Akquisition (jeder Besuch). Für E-Commerce: Sitzungs-Akquisition nach Kanal kombiniert mit Umsatz je Kanal.
  • Engagement - welche Seiten Nutzer aufrufen, wie lange sie bleiben, welche Events ausgelöst werden. Der UA-Verhaltens-Bericht ist hier aufgegangen.
  • Monetarisierung - Umsatz, Transaktionen, durchschnittlicher Bestellwert und E-Commerce-Conversion-Funnel. Setzt voraus, dass das E-Commerce-Tracking korrekt eingerichtet ist.
  • Demografische Merkmale - Alter, Geschlecht, Interessen, Standort. Benötigen Nutzerzustimmung und sind erst auswertbar, wenn ausreichend Daten vorliegen.

Seit 2025 ist in GA4 außerdem ein KI-Chatbot integriert: der Analytics Advisor. Du stellst Fragen in natürlicher Sprache, etwa “Welche Landingpages haben die höchste Absprungrate?” oder “Wie hat sich mein Mobile-Traffic im letzten Quartal entwickelt?”, und GA4 antwortet mit einem generierten Bericht aus deinen eigenen Daten. Das spart Zeit bei Routineanalysen, die früher mehrere Klicks durch die Navigation brauchten.

GA4 für SEO: GA4 und Search Console kombinieren

GA4 allein zeigt keine organischen Suchanfragen. Dafür brauchst du Google Search Console. Die Verknüpfung beider Tools liefert einen Datensatz, den kein anderes Web-Analyse-Tool bietet.

FrageGoogle Analytics 4Google Search Console
Welche Seiten bekommen Traffic?JaJa
Über welche Keywords?NeinJa
Wie lange bleiben Nutzer?JaNein
Conversion nach Landingpage?JaNein
CTR und Impressionen?NeinJa
Core Web Vitals?TeilweiseJa

Die Verknüpfung richtest du in GA4 unter “Verwaltung > Property-Einstellungen > Service-Verknüpfungen > Search Console” ein. Danach erscheint unter “Berichte > Akquisition > Suchanfragen-Berichte” der kombinierte Bericht mit Impressionen, Klicks, CTR und GA4-Engagement-Daten.

Der wichtigste SEO-Anwendungsfall: Du findest Seiten mit hoher Impression-Zahl und niedriger CTR in der Search Console, rufst diese in GA4 auf und siehst, wie sich Nutzer dort verhalten, sobald sie ankommen. Seiten mit hoher Absprungrate trotz gutem Ranking brauchen Inhaltsüberarbeitung, nicht mehr SEO. Wie SEO und technische Grundlagen zusammenspielen, erklärt unser Artikel zum Google Ranking verbessern.

AI-Referral-Traffic in GA4: ChatGPT, Gemini und Co. tracken

Seit 2024 wächst Traffic aus KI-Quellen wie ChatGPT, Perplexity, Gemini und Claude. GA4 ordnet diesen Traffic standardmäßig dem Kanal “Referral” zu. Um AI-Referral-Traffic sauber zu identifizieren, kannst du in GA4 unter “Daten-Streams > URL-Passthrough” und in den Channel-Grouping-Einstellungen einen eigenen Kanal “AI Referral” definieren.

Relevante Domains für einen solchen Filter:

  • chat.openai.com / chatgpt.com
  • gemini.google.com
  • perplexity.ai
  • claude.ai
  • copilot.microsoft.com

Wer diese Domains als eigenen Kanal trackt, sieht schnell, ob KI-Zitate Traffic auf bestimmte Artikel oder Landingpages bringen.

Für Shops, die in KI-Antworten zitiert werden wollen, ist das Tracken dieses Kanals ein früher Indikator für Topical Authority.

Predictive Metrics: GA4 für E-Commerce-Entscheidungen

GA4 bietet Predictive Metrics, also vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten für Nutzerverhalten. Voraussetzung ist ein ausreichend großes Datenvolumen (mindestens 1.000 Wiederkäufer oder 1.000 Abwanderer in 28 Tagen).

Die drei wichtigsten Predictive Metrics:

  • Kaufwahrscheinlichkeit (purchase probability) - Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer in den nächsten 7 Tagen kauft. Direkt als Remarketing-Zielgruppe in Google Ads nutzbar.
  • Abwanderungswahrscheinlichkeit (churn probability) - Wahrscheinlichkeit, dass ein aktiver Nutzer in 7 Tagen inaktiv wird. Basis für Reaktivierungs-Kampagnen.
  • Prognostizierter Umsatz - erwarteter Umsatz eines Nutzers in 28 Tagen. Damit lassen sich hochwertige Segmente für Retention-Maßnahmen identifizieren.

Wie du daraus konkrete Conversion-Rate-Optimierung ableitest, ist ein eigenes Thema, aber der erste Schritt ist, diese Zielgruppen in GA4 zu erstellen und direkt mit Google Ads zu verknüpfen.

GA4 für Shopify: Was du wissen musst

Shopify hat seit 2023 eine native GA4-Integration über den “Google & YouTube”-Kanal in der Shopify-App. Diese richtet automatisch das E-Commerce-Tracking ein, inklusive purchase-Event mit Umsatzdaten.

Wichtig: Die native Shopify-GA4-Integration überträgt keine detaillierten Produktdaten für alle E-Commerce-Events. Für vollständiges Enhanced E-Commerce Tracking (Produktlisten, Checkout-Steps, Produktklicks) ist ein GTM-basiertes Setup empfehlenswert.

Einen detaillierten Vergleich beider Methoden und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung liefert der Artikel Google Analytics für Shopify nutzen. Wenn du verstehst, warum Nutzer den Kauf abbrechen, hilft der Guide zu Warenkorbabbrüchen bei Shopify weiter. Und wie du aus GA4-Daten die Conversion Rate berechnest und interpretierst, erklären wir in einem eigenen Artikel.

Für Shop-Betreiber, die neben GA4 den ROAS ihrer Google-Kampagnen richtig auswerten wollen, ist das Tracking der Conversions in GA4 und der Import in Google Ads die Basis. Der Artikel ROAS berechnen zeigt, wie das zusammenhängt.

GA4 richtig einrichten lassen

Lass uns gemeinsam schauen, was wir für deinen Online-Shop herausholen können.

GA4-Alternativen: Wann lohnt sich ein Wechsel?

GA4 ist das mächtigste kostenlose Web-Analytics-Tool. Für die meisten Shops gibt es keinen Grund zum Wechsel. Aber es gibt Situationen, in denen eine Alternative sinnvoller ist.

Matomo ist eine Open-Source-Alternative, die du selbst hosten kannst. Volle Datenkontrolle, keine Datenübertragung an Google. Einrichtung und Pflege kosten aber Zeit, und das Reporting ist weniger ausgereift.

Plausible und Fathom sind schlanke DSGVO-native Tools ohne Cookies. Sie eignen sich für Websites, die auf Zustimmungsbanner verzichten wollen. E-Commerce-Tracking bieten sie nicht.

Hotjar und Microsoft Clarity ergänzen GA4 mit Heatmaps und Session-Recordings. Sie ersetzen GA4 nicht, zeigen aber das Nutzerverhalten auf einer qualitativen Ebene, die rein numerische Tools nicht abbilden können.

Wer Google Ads schaltet und Conversion-Daten in Google Ads importieren will, bleibt am besten bei GA4. Die direkte Daten-Pipeline zwischen beiden Tools hat keine Alternative.

Fazit

Google Analytics 4 ist ein Werkzeug, das richtig eingerichtet sein muss, damit es etwas taugt. Falsch aufgesetzt liefert es falsche Daten, aus denen du falsche Schlüsse ziehst.

GA4 ist kostenlos und seit Juli 2023 der einzige Google Analytics Standard. Consent Mode v2 ist in der EU kein optionales Extra, sondern Pflicht. E-Commerce-Tracking braucht entweder die native Shopify-Integration oder ein GTM-Setup. Und wer GA4 mit der Search Console verknüpft, bekommt die vollständigste Sicht auf die organische Performance, die kostenlos verfügbar ist.

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